Kein Ende, sondern Chance auf ein neues Leben

Friedhardt Pilz engagiert sich für rettende Organspenden

Das ist keine Geschichte, wie jede andere auch. Es ist die Geschichte von Friedhardt Pilz. Sie handelt von einem jungen Deutschen – von jemandem, der sich „in den Dienst der Sache“ stellt. Mit seiner Vergangenheit kann er nachfühlen und mit seinem Einsatz will er anderen Menschen wieder Mut machen, denn: Das Leben mit einer transplantierten Niere kann genauso lebenswert wie vorher sein.

Schon als kleines Kind ist er gelaufen – so schnell wie möglich und so weit wie möglich. Hätte ihm seine Mutter nicht gesagt „Komm, lass gut sein,“ dann wäre er gelaufen bis zum Umfallen. Der Drang nach Bewegung war also immer schon da. „Irgendwas stimmt nicht mehr mit mir,“ wunderte sich Friedhardt Pilz darüber, dass seine sportliche Leistungsfähigkeit plötzlich nicht mehr auf jenem Niveau war, wie eigentlich üblich.

Nur fehlende Fitness oder doch mehr?

Erstes Anzeichen war ein ungewöhnlich hoher Blutdruck (Hypertonie). Anfangs dachte er sich nichts dabei. Weil dieser Zustand andauerte und weil Leistung und Bewegung ja immer schon sein Leben geprägt hatten, ließ ihm diese „Formschwäche“ keine Ruhe. Erst im Lauf der Zeit war die Ursache dafür klar: Eine Striptokokken-Erkrankung nach einer Erkältung im Alter von 16 Jahren. Die heimtückischen Bakterien hatten seine Niere befallen.

„Ich weiß noch ganz genau, als ich die Diagnose von den Ärzten erhalten habe, dass meine beiden Nieren nicht mehr so arbeiten, wie sie eigentlich sollten“ erinnert sich der ehemalige Snowboarder und Freestyle-Skifahrer, der von Familie und Freunden ganz einfach „Friedl“ gerufen wird. Sollten etwa gar Blutwäsche und Dialyse-Maschinen sein weiteres Leben bestimmen? Größte Sorge war es, nie mehr Sport betreiben zu können. „Gerade als Sportler denkt man so. Man ist gewohnt, seinen Körper immer bis an die Grenzen zu fordern und plötzlich geht’s nicht mehr.“

Zu seiner Gesundung hat nicht nur die intakte Familie, sondern auch die Betreuung durch Dr. Gert Mayer an der Universitätsklinik Innsbruck beigetragen. „Als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, war die Situation für den Friedl sehr schwierig,“ erinnert sich der Spezialist für Innere Medizin. Zu allererst ging es darum, dem Patienten, die Situation zu erörtern und die Möglichkeiten einer Nierenersatztherapie aufzuzeigen. Schon in dieser Phase hatte Pilz zu kämpfen. „Er hat große Einschränkungen in seiner Bewegung, seiner Jugendlichkeit und im Sport befürchtet.“

Die Möglichkeit einer Lebendspende durch seinen Vater hatte ihn ebenso beschäftigt. „Das geht auch nicht so leicht. Dieses Geschenk muss man erst einmal annehmen können,“ sagt der Mediziner. Vor drei Jahren hat der heute 32jährige dann eine Niere seines Vaters transplantiert bekommen. Heute geht es dem diplomierten Sportlehrer wieder sehr gut.

Durch die schwere Zeit hat ihm auch Jörg Jaksche geholfen. Der ehemalige Radprofi und Wahltiroler ist ein Freund der Familie. „Friedl, komm! Das packst du wieder. Mach was im Ausdauerbereich. Das ist auch für deine Organe gut,“ hat ihn der Sieger der Mittelmeerrundfahrt 2004 nach Absprache mit dem Innsbrucker Arzt dazu motivieren können, seinen Körper nach der Transplantation wieder „in Gang“ zu bringen.

Unglückliche Rechtssituation

Pilz ist überzeugt, dass sein Leben nicht gleichzeitig Gültigkeit für andere Patienten habe, denn manche würden bis zu fünf Jahre oder noch länger auf ein Spenderorgan warten. Ein Grund dafür ist für den lebensfrohen Pilz die momentane Gesetzeslage: In Österreich ist es zulässig, Verstorbenen einzelne Organe oder Organteile zu entnehmen, um durch eine Transplantation das Leben eines anderen Menschen zu retten oder dessen Gesundheit wiederherzustellen. Eine Entnahme ist unzulässig, wenn den Ärzten eine Erklärung vorliegt, in der durch den Verstorbenen oder dessen Angehörige eine Organspende dezidiert abgelehnt wird. In Deutschland muss zu Lebezeiten eine schriftliche Zustimmung für mögliche Organspenden gegeben werden.

Er wünscht sich, dass mehr Menschen mithilfe eines Organspenderausweises ihre Bereitschaft zeigen, im Ernstfall helfen zu wollen. Mit seiner positiven Einstellung und einer persönlichen Mission möchte der 32jährige Zwickauer Patienten mit einem ähnlichen Schicksal Mut machen. „Mit kleinen Zielen wächst auch die Hoffnung immer mehr. Und das Leben mit einem gespendeten Organ kann genauso lebenswert sein wie vorher,“ ist Friedhardt Pilz überzeugt.

Am Rand des Prologs der diesjährigen Deutschland-Tour in Kitzbühel lud Friedhardt Pilz Freunde und prominente Sportler zu einer Radtour aufs Kitzbüheler Horn. Mit dabei waren die Ex-Skifahrer Frank Wörndl und Michael Veith, die nordischen Kombinierer Christoph Bieler, David Kreiner und Felix Gottwald sowie Thomas Rohregger, der Gesamtsieger der Österreich-Rundfahrt 2008.

Die Einnahmen dieser Charity-Tour wurden im Anschluss an die Kinderhilfe Organtransplantation e.V. (KiO) und den Verein Nephro-Tirol übergeben.